Schön, dass Sie sich für diesen Artikel entschieden haben! Aber wollten Sie nicht eigentlich noch ganz dringend per Smartphone Ihre Enkelin anrufen? Woher ich das weiß? Nun, ich habe Ihre Gedanken „gehacked“.

Der vorangestellte Dialog aus dem Reich der Science-Fiction könnte schon bald Wirklichkeit werden. Wie der US-Konzern Facebook bekannt gab, arbeitet dieser mit Hochdruck daran, Menschen per Gedanken Worte an einen Computer übertragen zu lassen. Facebook-Chef Mark Zuckerberg geht in seinen Plänen sogar noch einen Schritt weiter: „Du wirst einfach an etwas denken und deine Freunde werden im gleichen Moment in der Lage sein, deine Gedanken mitzuerleben“, verriet der Milliardär kürzlich auf seiner Facebook-Seite.

Geschäfte mit nutzerbasierter Werbung

Wer Mark Zuckerbergs Geschäftsgebaren kennt, der weiß, dass es ihm bei seinen Plänen keineswegs um Effekthascherei geht. Und gewiss auch nicht um pure Weltverbesserung. Facebook verdient seine Gewinne mit Werbung, die direkt auf die Nutzer zugeschnitten ist. Sobald der Konzern Zugriff auf die Gedanken seiner User erhielte, würde er keinen Moment zögern, daraus Kapital zu schlagen. Kaum ein Unternehmen weiß schon heute so viel über seine Kunden wie Facebook.

Manche Nutzer der Online-Plattform mögen sich an deren Datensammelwut längst gewöhnt haben. Doch ist die Technologie erst einmal in der Welt, werden auch andere nach ihr greifen: Regierungen, Militärs, Werbeverantwortliche, Geheimdienste… Der Roman 1984 von George Orwell bekommt vor diesem Hintergrund eine erschreckende Aktualität. So beschreibt Orwell eine Zukunft, die von totaler Überwachung geprägt ist und in der kritische Gedanken – so genannte Gedankenverbrechen – unmittelbar geahndet werden.

Rechtzeitig die Risiken diskutieren

Machen wir uns nichts vor: Was technisch machbar ist und Milliardengewinne verspricht, wird kaum in Gänze aufzuhalten sein. Aber je früher die Risiken öffentlich diskutiert werden, desto mehr Einfluss lässt sich nehmen. Wer nicht in einer Welt leben will, in der Gehirne irgendwann einmal mit Firewalls geschützt werden müssen, sollte die weitere Entwicklung der Technologie nicht dem Zufall und schon gar nicht Facebook überlassen.

Pascal Frai
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Pascal Frai

Pascal Frai ist Wirtschaftsredakteur, PR-Fachmann und Island-Fotograf. Komplexe Themen anschaulich auf den Punkt zu bringen, ist seine Passion.
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