Plötzlich wollte Ingrid Bernhardt auch ein Smartphone.

Das ausschlaggebende Argument für die 60-Jährige: Die Smartphone-Kamera. Denn während Sie in einer gemütlichen Frauenrunde die analogen Fotos ihres jüngsten Enkels hervorkramte, reichten Ihre Freundinnen einfach ihre Smartphones herum. Da fühlte sie sich plötzlich ein wenig altbacken; zumal die Technik für sie einen konkreten Nutzen gewann. Ingrids Interesse an Smartphones war geweckt.

 

Die Smartphone-Kamera ist ein wichtiger Kaufgrund

Vielen Menschen dürfte es ähnlich wie Ingrid gehen. Das belegen auch die Zahlen: 89% der Nutzer benutzen ihr Smartphone auch zum Fotografieren. Nur Telefonieren ist beliebter.

Den Herstellern ist das Interesse der Nutzer an den Kameras natürlich nicht entgangen. Sie werben gerade im Premiumsegment offensiv mit der Qualität der Kameras. Und die werden dank ausgefeilter Technik und Software immer besser. Eine Konsequenz: Der Markt für Kompaktkameras im niedrigen und mittleren Preissegment ist zusammengebrochen.

Vielleicht geht es Ihnen ja ähnlich wie Ingrid. Oder Sie möchten sich einfach nur einen Überblick über Smartphone-Kameras verschaffen. Dann wird dieser Artikel möglicherweise für Sie von Interesse sein.

Er wird Ihnen einen kompakten Überblick über Vor- und Nachteile der Smartphone-Kamera vermitteln. Man lernt ja bekanntlich nie aus.

Das Smartphone ist immer in der Tasche

Vorab sei gesagt: Mit hochwertigen Kompaktkameras oder gar Spiegelreflexkameras können Smartphones in vielerlei Hinsicht nicht mithalten.

Der Vorteil des kleinen Alleskönners liegt stattdessen in seiner Verfügbarkeit. Im Zweifelsfall ist die beste Kamera immer jene, die man auch dabei hat. Die beste Kamera nützt einem nichts, wenn sie daheim auf dem Regal verstaubt.

Ein Schnappschuss mit dem Smartphone kann zudem in aller Schnelle auf Whatsapp oder den Sozialen Medien geteilt werden – das nervige Übertragen von Bildern auf den heimischen Computer bleibt einem so häufig erspart.

Alle Smartphones bieten zudem einen Automatikmodus – kurz: Auto-Modus. Die Kameraeinstellungen, wie die Lichtempfindlichkeit (ISO-Wert), die Belichtungszeit oder der Weißabgleich erfolgen so ganz automatisch. Aber einige Dinge gibt es auch mit Automatik noch zu beachten. Wir zeigen Ihnen, welche das sind.

 

Die Auflösung ist konkurrenzfähig

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Besonders prominent beworben: Die Auflösung. Hierbei handelt es sich prinzipiell um die Größe des Bildes.

Die Auflösung gibt an, wie viele Bildpunkte (Pixel) sich in vertikaler und horizontaler Richtung auf einem Bild befinden. Ein Bild mit einer Auflösung von 1920 X 1.080 Pixeln entspricht ungefähr zwei Millionen Pixeln. Auch die Auflösung Ihres Displays bemisst sich in Pixeln.

Bei Smartphones spricht man auch von Megapixeln. Mega steht hierbei für Millionen. Zwei Millionen Pixel entsprechen also zwei Megapixeln.

Wollen Sie Bilder im Großformat – beispielsweise in Din A3 oder größer – ausdrucken, benötigen diese eine entsprechende Auflösung. Nur so sind die Details auf dem Bild noch zu erkennen. Das Bild wirkt sonst breiig und irgendwann ist der Inhalt des Bildes kaum mehr zu erkennen.

Allgemein gilt: Bilder in hoher Auflösung können problemlos auch auf einer kleineren Fläche dargestellt werden. Umgekehrt ist das nicht der Fall. Schauen Sie sich beispielsweise Ihre Urlaubsfotos auf einem Full-HD-Fernseher mit einer nativen Auflösung von 1920×1080 Pixeln an, so werden die Bilder nur dann einigermaßen detailgetreu wiedergegeben, wenn die Auflösung des Bildes ebenfalls mindestens diesem Wert entspricht! In diesem Fall wäre das mit einer Kamera mit 2 Megapixeln bereits umsetzbar.

 

Das Problem mit den Megapixeln

Bei Megapixel handelt es sich gewissermaßen um das werberische Äquivalent der Gangschaltung bei Fahrrädern – der vermeintliche Klassenunterschied zwischen Kameras lässt sich werbewirksam auf eine Kennzahl herunterbrechen.  Ließe sich die Qualität einer Kamera nur an der Anzahl der Megapixel bemessen, hätten so manche Smartphones bereits dieselbe Qualität wie herkömmliche Spiegelreflexkameras erreicht.

 

Problematisch: Lichtempfindlichkeit und Tiefenschärfe

Lichtempfindlichkeit

Foto: pexels (CC0 1.0)

Das ist aber nicht der Fall. Die kleine Größe des Smartphones macht sich eben auch in der Größe des Objektivs, der Blende und des Bildsensors bemerkbar.

Die augenfälligste Konsequenz: Bei ungünstigen Lichtverhältnissen sind Smartphones häufig überfordert, da durch die kleine Blende wenig Licht auf den – im Vergleich zu herkömmlichen Kameras – kleinen Sensor trifft. Die Jagd nach möglichst hohen Megapixeln kann dieses Problem sogar noch einmal verschärfen. Glücklicherweise denken viele Hersteller mittlerweile um und setzen nicht mehr auf eine stetig steigende Zahl von Megapixeln, sondern auf eine bessere Lichtempfindlichkeit des Bildsensors.

Auch der sogenannte HDR-Modus soll Bilder kontrastreicher gestalten und ist mittlerweile bei vielen Smartphones Standard. An der Lichtschwäche des Smartphones ändert dieses Drei-Bilder-Prinzip allerdings nur bedingt etwas.

Auch mit der Tiefenschärfe hat das Smartphone so seine Probleme. Aufgrund der kleinen Abmessung von Blende und Objektiv haben Fotos mit dem Smartphone normalerweise eine durchgehende Schärfentiefe. Gerade bei Porträts, bei denen doch den Porträtierten in den Vordergrund rücken möchte, ist das ärgerlich.

 

Vorsicht vor dem Zoom

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Ein weiteres Manko: der Zoom. Smartphones bieten nur einen digitalen Zoom, der den auf den Bildsensor projizierten Bildausschnitt nicht wirklich vergrößert. Im Gegensatz zu einem optischen Zoom oder einem Objektiv mit höherer Brennweite. Die Folge: Entweder mit der Kamera nah an das gewünschte Motiv heran oder eben Einbußen bei der Auflösung hinnehmen.

 

Fazit  

Die Größe des Smartphones ist also zugleich Vor- und Nachteil.

Das Smartphone hat man eben meist in der Tasche. Des Weiteren stellt die vorinstallierte Software für Sie viele Dinge automatisch ein. Auch das Smartphone bietet nützliche Funktionen wie einen Bildstabilisator gegen Verwackelung. Viele Funktionen werden Ihnen bekannt vorkommen, weil es sie in ähnlicher Form auch für reguläre Kameras gibt. Die Liste hilfreicher Techniken und Software, die aus der Smartphone-Kamera das letzte bisschen Qualität herausholen soll, ist lang. So lang, dass das Smartphone in dieser Hinsicht mancher Kamera überlegen scheint.

Und unter gewissen Voraussetzungen lassen sich mit einer Smartphone-Kamera durchaus passable Fotos machen. Gerade bei schlechten Lichtverhältnissen oder in der Porträtfotografie sind Smartphones jedoch nur die zweite Wahl! Die geringe Größe von Objektiv, Blende und Bildsensor lässt sich auch mit der besten Software nicht so einfach ausgleichen.

Einige Dinge sind beim Gebrauch eines Smartphones zu beachten: Der Zoom sollte – wenn möglich – nur in geringem Maße zum Einsatz kommen. Achten Sie zudem auf die Lichtverhältnisse. Smartphones sind mit Nachtaufnahmen und dunklen Innenräumen häufig überfordert. Auch fluoreszierendes Licht, wie man es häufig in Krankenhäusern findet, kann zu einem ärgerlichen Grünstich führen.

Aber keine Angst: Das Foto Ihres neugeborenen Enkels wird die Herzen Ihrer Bekannten sicherlich trotzdem höherschlagen lassen. Denn im Zweifelsfall gilt: Eine Smartphone-Kamera ist besser als keine Kamera.

(S.D.)

Laurel Schumacher

Angehender Journalist und Politikwissenschaftler. Interessiert sich besonders für die Themen Netzwelt, Politik, Lokales und Fotografie.

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