Smartphone und Tablet benutzt Gisela nicht erst seit gestern. Seit vier Jahren schon ist die rüstige Rentnerin aus Saarbrücken nun online. Die 84-Jährige nutzt Facebook, Whatsapp, Youtube und liest ihre Zeitung digital. Trotz gelegentlicher Rückschläge erforscht Sie mit viel Enthusiasmus die vielleicht schönsten Ecken des Internets.

Nicht immer fällt es so leicht

Eine Umfrage mit dem Tablet sollte es werden. Das Gesundheitszentrum Saarschleife wollte es seinen Gästen vielleicht sogar einfacher machen, auf jeden Fall aber modern sein. Doch das Ergebnis war eine beinahe kollektive Überforderung. Denn mit dem Bedienen eines Tablets tun sich viele Senioren noch schwer und die waren in der saarländischen Kurklinik in der Mehrzahl.

Nicht ohne Stolz erzählt Gisela von diesem Aufeinandertreffen von Senioren und neuer Technik. Denn der 84-Jährigen bereitete der Umgang mit dem digitalen Umfragebogen vergleichsweise wenig Probleme: „Es war eigentlich ganz simpel, man muss aber wissen, wie man es macht“, resümiert sie lachend. Auf ihre souveräne Handhabung des Tablets reagierten die anderen Kurgäste mit anerkennendem Klatschen.

Da ist es kaum der Rede wert, dass die 84-Jährige auch gerne mal selbst „Huddel“ (Saarländisch für Probleme) mit der Technik hat. Einen Computer hat die 84-Jährige nie besessen; mit der Bedienung des berührungsempfindlichen Displays kommt die Brillenträgerin jedoch auch auf dem kleinen Smartphone überraschend gut zurecht. Mit der Installation und Einrichtung ihrer neuen Hardware ist sie dann aber doch überfordert. Damit hilft die Familie. Den Browser (Google Chrome, Safari) benutzt Sie eigentlich nicht – zu kompliziert, findet sie.

Das hindert sie aber nicht daran, mit der neuen Technik ihren Interessen nachzugehen. Will es nicht so recht funktionieren, „kann ich ja auch mal meine Enkel fragen“, wie die Mutter von vier Kindern zu berichten weiß. So lässt sie sich auch mal von ihren Enkeln per Telefon anleiten.

Ihre Kinder und Kindeskinder waren es auch, die ihr vor vier Jahren ihr erstes Tablet schenkten. Sollten die mal keine Zeit haben, hilft ihr Google weiter. Wenn Sie von Google spricht, klingt das ein bisschen so, als handele es sich um einen hilfreichen Bekannten, der gleich um die Ecke wohnt. Der nuschelt zwar ein wenig und ist manchmal nur schwer zu verstehen, aber dafür ist er immer zu Hause.

Die schönsten Ecken des Internets

Die eigenen Interessen führen die naturverliebte Seniorin auf Seiten, die vermutlich zu den lehrreichsten und schönsten zählen, die das Internet so zu bieten hat. Auf Facebook ist sie Abonnentin der Naturfotografin Monika Sacher, die mittlerweile ein Publikum von 12.000 Abonnenten mit phänomenalen Aufnahmen unterhält und viel Wissenswertes über die Tier- und Pflanzenwelt zu berichten weiß. Dass die Naturfotografin dafür scheinbar kein Geld bekommt, versetzt Gisela in Erstaunen.

Spaß an der Sache, an Natur und Fotografie, daran mangelt es der Seniorin jedenfalls nicht. Auch einen ehemaligen Professor der Botanik hat sie abonniert. Der stellt seinen Abonnenten gerne mal knifflige Rätsel über die lokale Flora. Selbst die mit der regionalen Pflanzenwelt bestens vertraute Seniorin muss da hin und wieder einen Blick in die Kommentare anderer User werfen, welche die richtige Antwort parat haben.

Smartphones findet sie praktisch

Das Smartphone hat das Tablet bei ihr mittlerweile abgelöst, auch weil man das ja immer dabeihat und sie selbst gerne fotografiert. Beim Nordic Walking im Park geht sie auf „Fotosafari“.

Auch ihre Zeitung liest sie mittlerweile digital. Das findet sie einfacher, als die umständliche Print-Variante. Praktisch findet Sie auch, dass der Kurznachrichtendienst Whatsapp ihr den Kontakt mit Verwandtschaft und Freunden erleichtert. „Man braucht nicht immer jeden anzurufen“, eine Whatsapp-Nachricht genügt ihr.

Smartphone-Optimistin

Im Gegensatz zu vielen Menschen ihres Alters ist Gisela also Smartphone-Optimistin. Sie zeigt sich begeistert von den Möglichkeiten. Nur ein wenig einfacher könnte die Bedienung manchmal schon sein, bemängelt sie.

Und schon lange möchte die fitte Seniorin einen Computerkurs belegen, doch da sei es noch vor zwei Jahren nur um PCs gegangen, erläutert sie. Heute würden zwar auch Smartphones thematisiert, aber zu ihrem Leidwesen ist das Interesse groß und es sei gar nicht so einfach, da einen Platz zu ergattern.

Was sie sonst noch stört? Viele Jugendliche – allen voran die eigenen Enkel – starren ihr ein wenig zu häufig auf das Smartphone, statt sich mit ihrer Umwelt auseinanderzusetzen. Echte Smombies (Jugendwort des Jahres 2015) eben.

(mh)

Laurel Schumacher

Angehender Journalist und Politikwissenschaftler. Interessiert sich besonders für die Themen Netzwelt, Politik, Lokales und Fotografie.

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