Vor wenigen Wochen erschütterte ein Video auf Facebook die Nutzer der Online-Community. Zu sehen war darin der offenbar willkürliche Mord an einem 74-jährigen Rentner im US-Bundesstaat Ohio. Ein Online-Verbrechen. Das Beispiel zeigt: Vielen Tätern bieten die sozialen Medien eine willkommene Bühne für ihre Straftaten. Was ist zu tun, wenn Sie am Smartphone oder PC selbst Zeuge einer Straftat werden? Drei Tipps helfen dabei, die Situation korrekt einzuschätzen und bei Verbrechen richtig zu reagieren.

1. Lernen Sie echte Online-Verbrechen von Fake-News zu unterscheiden

Reichweite und Aufmerksamkeit sind die Triebfedern vieler User in den sozialen Netzwerken. Um neue Klickrekorde zu erreichen, schrecken manche Nutzer nicht davor zurück, Verbrechen zu inszenieren. Diese Beiträge werden auch als „Hoax“ bezeichnet und reichen von vermeintlichen Tierquälereien bis zur Vortäuschung von Unfällen. Was auf den ersten Blick glaubwürdig erscheint, entpuppt sich bei genauerem Betrachten nicht selten als absichtliche Falschmeldung.

Jeder, der auf eine solche Meldung aufmerksam wird, sollte daher zunächst die Quelle überprüfen. Präsentiert sich die Seite des Absenders beispielsweise als Sammelbecken vielfältiger Schock-Nachrichten? Bei der Einordnung helfen Suchmaschinen wie Google, in denen ganze Textpassagen, aber auch Bilder als Bestandteile des verdächtigen Materials eingegeben werden können. Häufig sprechen die Ergebnisse für sich und entlarven das Material als effektheischende Inszenierung. Hilfreich für die Recherche ist ein Service der TU Berlin. Auf einer Info-Seite stellt die Universität eine Liste mit bekannten Falschmeldungen zur Verfügung.

2. Verständigen Sie die Polizei

Viele Täter kommen straffrei davon, weil sich Zeugen aus Zeitmangel oder Bequemlichkeit nicht bei der Polizei melden. Verbrecher werden dadurch ermuntert, Ihre Online-Verbrechen fortzusetzen. Erhärtet sich also Ihr Verdacht, dass das entdeckte Material echt ist, verständigen Sie sofort die Polizei und warten Sie nicht darauf, dass ein anderer digitaler Augenzeuge seiner Bürgerpflicht nachkommt. Bei Ihrem Anruf kommt es darauf an, dass Sie der Polizei das Geschehen in wenigen Worten, aber trotzdem umfassend schildern („Wer?”, „Was?”, „Wo?”, „Wann?”). Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Bringen Sie daher auch die Vortäuschung von Straftaten zur Anzeige und erst Recht die Verbreitung von kinder- und jugendpornographischem Material.

3. Unterstützen Sie die Polizei bei der Beweissicherung

Ein Online-Verbrechen im Internet nachzuweisen, stellt die Ermittler regelmäßig vor Herausforderungen. So können etwa Beiträge, Fotos und Videos von den Tätern rasch wieder gelöscht werden. Helfen Sie daher bei der Beweissicherung. Fertigen Sie hierzu zum Beispiel Ausdrucke und Screenshots der jeweiligen Seiten an. Im Falle von Windows-Computern und aktuellen Linux-Systemen drücken Sie hierfür die Taste „Druck“ bzw. „Print“ auf Ihrer Tastatur. Durch gleichzeitiges Drücken der Tasten „Strg“ und „V“ können Sie das Bild in ein leeres Dokument in einem Textverarbeitungs- oder Grafikprogramm einfügen, speichern und drucken. Alternativ können Sie auch Smartphone oder Digitalkamera zur Hand nehmen und den Bildschirm abfotografieren. Ihr PC muss der Polizei übrigens nur in absoluten Ausnahmefällen zur Verfügung gestellt werden.

Pascal Frai
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Pascal Frai

Pascal Frai ist Wirtschaftsredakteur, PR-Fachmann und Island-Fotograf. Komplexe Themen anschaulich auf den Punkt zu bringen, ist seine Passion.
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