Versteckte Stolperfallen, plötzlicher Schwindel oder ein Schwächeanfall – für Stürze gibt es im Alltag viele Ursachen. Nicht immer ist jemand in der Nähe, der erste Hilfe leisten oder den Rettungsdienst alarmieren kann. So auch bei Johann B. (74) aus Castrop. „Auf dem Weg zur Toilette bin ich im Wohnungsflur gestürzt und war anschließend zu schwach, um das Telefon zu erreichen. Zwei Stunden habe ich gerufen, bis der Nachbar die Polizei verständigt hat“, berichtet der alleinlebende Rentner.

Nicht jeder Sturzunfall geht in Deutschland so glimpflich aus. Allein in 2015 gab es laut statistischem Bundesamt 12.867 Stürze mit Todesfolge, davon 12.099 bei Menschen im Alter ab 60.

Rasche Hilfe per Knopfdruck

Ein Plus an Sicherheit versprechen Senioren-Handys mit integrierten Notfallfunktionen. Hierzu zählt beispielsweise eine Notfalltaste. Per Knopfdruck erfahren Angehörige oder Pflegedienste rasch und unkompliziert, dass Hilfe geboten ist. Das Handy wählt nacheinander alle hierfür festgelegten Rufnummern und stellt den Kontakt her – häufig in Kombination mit einer Freisprechmöglichkeit.

Doppelte Sicherheit durch zu bestätigende Notrufe

Beim so genannten unbestätigten Notruf geht das Telefon davon aus, dass der Handybesitzer Hilfe erhalten hat, sobald eine Sprachverbindung hergestellt ist. Die Funktion bietet sich dann an, wenn ein Vertrag mit gewerblichen Notrufdiensten besteht, die rund um die Uhr erreichbar sind. Beim bestätigten Notruf gibt es eine zusätzliche Sicherheitsgarantie. So muss der Angerufene nach Annahme des Gesprächs eine festgelegte Taste drücken.

Übermittlung von GPS-Koordinaten

Viele Seniorenhandys senden vor dem Anwählen der Notrufnummern zunächst eine SMS mit einem vorbereiteten Text an ausgesuchte Adressaten. Familienmitglieder, Nachbarn oder sonstige Vertrauenspersonen können so eventuell schon vor dem Eintreffen von Notfalldiensten erste Hilfe leisten. Optimal ist es, wenn die Notruffunktion mit dem Ortungssystem GPS verquickt ist. Dann werden zusätzlich die Koordinaten des Hilfesuchenden sowie ein Google-Maps-Kartenausschnitt an die Zielpersonen übermittelt.

Erste Handys mit automatischer Sturzerkennung

Dank spezieller Sensoren verfügen erste Seniorenhandys über eine automatische Sturzerkennung. Optional lässt sie sich in Form einer App als Zusatzprogramm installieren. Wenn die Funktion aktiviert ist und die Sensoren einen Sturz registrieren, benachrichtigt das Handy automatisch die festgelegten Kontakte. Im Dauerbetrieb hat diese Funktion jedoch einen sehr hohen Energiebedarf und auch Fehlalarme sind nicht gänzlich auszuschließen.

Johann B. hätten sowohl die Notfalltaste als auch die automatische Sturzerkennung sehr geholfen. „Wer hilflos auf dem Boden liegt, dem kommen zwei Stunden wie eine halbe Ewigkeit vor“, erklärt er.

Pascal Frai
Mehr Infos

Pascal Frai

Pascal Frai ist Wirtschaftsredakteur, PR-Fachmann und Island-Fotograf. Komplexe Themen anschaulich auf den Punkt zu bringen, ist seine Passion.
Pascal Frai
Mehr Infos

0 Gedanken zu “Handy-Notfallfunktionen – was sie leisten, wem sie nützen”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.