„Das Pferd frisst keinen Gurkensalat!“ – ausgerechnet diese kühne Behauptung gehört zu den ersten Sätzen, die je über ein Telefon gesprochen wurden. Wir schreiben das Jahr 1861 und der Sprecher heißt Johann Philipp Reis. Sprache mittels Strom über beliebige Entfernungen zu übermitteln ist die Vision, die den deutschen Physiker und Erfinder antreibt. Einen Prototyp seines Fernsprechers stellt er Mitgliedern des Physikalischen Vereins am 26. Oktober 1861 in Frankfurt vor. Damit gilt Reis als zentraler Wegbereiter des modernen Telefons.

Bei der wirtschaftlichen Verwertung hat jedoch ein anderer die Nase vorn: Alexander Graham Bell. Der schottische Sprachtherapeut und Gehörlosenlehrer hat ein frühes Modell des Reis´schen Telefonapparates in Edinburgh kennen gelernt und es Schritt für Schritt weiterentwickelt.

Von Schallwellen zu elektrischen Signalen

Bells Gerät basiert auf einem Wandler, der abwechselnd als Mikrofon und Fernhörer genutzt wurde. Eine biegsame Metallmembran, ein Stabmagnet und eine den Magneten umschließende Drahtspule sind die Grundbestandteile. Die beim Sprechen erzeugten Schallwellen versetzen die Membran in Schwingung und rufen in der Spule elektrische Spannungen hervor. Aus Schallwellen werden auf diese Weise elektrische Signale. Über eine Drahtverbindung gelangen diese zum Empfängertelefon. 1876 meldet Bell die Entwicklung zum Patent an.

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Das „Fräulein vom Amt“ als neues Berufsbild

Das erste Gespräch mit einem Bell-Apparat in Deutschland wird 1877 geführt. Noch im gleichen Jahr produziert die Firma Siemens & Halske die ersten Telefone. Bereits vier Jahre später entstehen öffentliche Telefonnetze. Auch die erste Fernsprechvermittlungsstelle nimmt ihren Betrieb auf. Das „Fräulein vom Amt“ wird in dieser Zeit zum aufstrebenden Berufsbild. Aufgabe der Telefonistinnen ist es, zwei Gesprächsteilnehmer miteinander telefonisch in Verbindung zu bringen. Für diesen Beruf sind eine gute Schulbildung, beste Umgangsformen und Fremdsprachenkenntnisse erforderlich.

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Als das Autotelefon noch den Kofferraum ausfüllte

1955 startet der Ausbau der Selbstwählferndienste. Telefonbesitzer können damit sogar selbstständig ins Ausland telefonieren. Drei Jahre später beginnt in Deutschland die Ära des ersten großflächigen Mobilfunknetzes. Die damit ermöglichten Autotelefone wiegen rund 16 Kilogramm und sind so groß, dass sie fast den kompletten Kofferraum ausfüllen. Schnurlos in den eigenen vier Wänden zu telefonieren, bleibt dagegen noch lange ein Traum. Erst 1984 präsentiert Bundespostminister Schwarz-Schilling das erste schnurlose Telefon fürs Festnetz.

Telefone im Design ihrer Zeit

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Zuvor haben bereits eine Reihe urtümlich wirkender Telefonmodelle die deutschen Haushalte erobert. Da ist zum Beispiel das elegante, meist schwarze Modell „W48“ aus Bakelit mit Wählscheibe. Bis Ende der 1960er Jahre bleibt es das preiswerte und zuverlässige Standardtelefon der Deutschen Bundespost.

Seine Nachfolger mit der Bezeichnung FeTAp („Fernsprechtischapparat“) kommen da schon handlicher, leichter und meist auch bunter daher. So dominieren in den 70er Jahren quietschende Orange- und Grüntöne. Später gesellen sich außerdem Tastentelefone hinzu.

Der Siegeszug der Smartphones

Vom schnurlosen Telefon fürs Festnetz bis zum ersten D-Netz-Mobiltelefon, das den Begriff Handy im Namen führte, vergehen nochmals acht Jahre. 1992 präsentiert die Firma Loewe in Deutschland das Modell HandyTel 100. Zwei Jahre später wird auf der Messe CeBIT der erste SMS-Dienst in Deutschland vorgestellt. Mit dem iPhone von Apple beginnt 2007 schließlich der weltweite Siegeszug der Smartphones. Das Telefonieren ist bei diesen Geräten nur eine unter vielen mobilen Kommunikationsfunktionen.

Holographie als nächste Entwicklungsstufe?

Das Ende der Geschichte des Telefons ist damit keineswegs erreicht. Entwickler tüfteln bereits daran, die Möglichkeiten der Videotelefonie auszuweiten. Eine Vision: Mittels Holographie Gespräche künftig so zu führen, als ob sich die Gesprächspartner physisch gegenüberstehen. Johann Philipp Reis wäre sicherlich auch von dieser Weiterentwicklung seiner Ursprungsidee mehr als beeindruckt.

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Pascal Frai

Pascal Frai ist Wirtschaftsredakteur, PR-Fachmann und Island-Fotograf. Komplexe Themen anschaulich auf den Punkt zu bringen, ist seine Passion.
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Die Geschichte des Telefons”

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