Er gilt als einer der hellsten Köpfe seiner Generation. Als begnadeter Schriftsteller und Redner wird er schnell zu einem der führenden Streiter der Open Access Bewegung, die sich für den freien Zugang zu wissenschaftlicher Literatur im Netz einsetzt.

Bis zu seinem Tod im Alter von 26 Jahren kämpft Aaron Swartz unerbittlich für die Freiheit von Informationen und den freien Zugang zu Wissen im Internet.

Die Anfänge

„Als Heranwachsender wurde mir bewusst, dass alles um mich herum, was angeblich naturgegeben war, gar nicht naturgegeben war. Manches konnte man ändern und was noch wichtiger war, manches war falsch und musste geändert werden. Und als ich das kapiert hatte, gab es kein Zurück mehr.“ (Aaron Swartz, 2010)

Aaron Swartz wird am 8. November 1986 in Chicago geboren. Bereits im Alter von drei Jahren bringt er sich selbst das Lesen bei. Zur gleichen Zeit entdeckt er das Programmieren für sich.

Mit nur 12 Jahren entwickelt Aaron Swartz die Website „The Info.org“, ein Lexikon in dem Menschen Beiträge zu einem bestimmten Thema verfassen können.  Diese Beiträge konnten von wieder anderen beliebig erweitert und korrigiert werden. 1998 entwickelt dieser 12-jährige Junge bereits den Vorläufer von Wikipedia.

Im Alter von 14 Jahren arbeitet Aaron Swartz an der Entwicklung von RSS 1.0, einer Plattform, die es bis heute gibt. Obwohl er noch so jung ist, wird er von seinen Kollegen geschätzt und um Rat gefragt. Aaron Swartz ist nicht nur intelligent, ihm wird schnell klar, dass die Welt, in der er lebt, verbesserungswürdig ist:

„Als mir klar wurde, dass es fundamentale Probleme gibt, zu deren Lösung ich beitragen kann, konnte ich mich dem nicht mehr entziehen.“ (Aaron Swartz)

Quelle: pixabay – CC0

Aaron Swartz beginnt an der Standford Universität Soziologie zu studieren. Aus einer riesigen Jura-Datenbank lädt er wissenschaftliche Artikel herunter, um sie zu analysieren.

Er entdeckt, dass Unternehmen Wissenschaftler für Artikel oder auch Gutachten bezahlen, die für das jeweilige Unternehmen von Vorteil sind: Ein korruptes und darüber hinaus illegales System. Desillusioniert bricht er nach nur einem Jahr sein Studium ab.

Er fängt beim Start-Up-Gründerzentrum Y Combinator an und tut sich mit Steve Huffman und Alexis Ohanian zusammen. Mit ihnen gründet er Reddit.com, eine Website auf der Benutzer Inhalte bereitstellen können und diese als positiv oder negativ bewerten können. Nur ein Jahr später wird Reddit von dem Verlag Condé Nast aufgekauft.

Durch den Verkauf hat Aaron Swartz finanziell ausgesorgt. Anstatt es sich gut gehen zu lassen und seinen finanziellen Erfolg zu genießen, kündigt er. Er ist zu sehr Idealist, um für ein Unternehmen zu arbeiten, dem es nur um Gewinnmaximierung geht. Geld spielt für ihn nur eine untergeordnete Rolle.

Sein Wirken als Aktivist

Aaron Swartz ist getrieben von der Idee, das gesamte Wissen der Masse zugänglich zu machen. Bei seinen Recherchen entdeckt er, dass Gerichtsprotokolle, die laut Gesetz eigentlich öffentlich sein sollten, dies eben nicht sind. Den Zugang zu den Protokollen gibt es nämlich nur über das System PACER. Nur wer eine Kreditkarte hat, erhält Zugriff auf die Dokumente. Die Kosten liegen sogar bei bis zu 10 Cent pro Seite.

Zusammen mit dem Internetaktivisten Carl Calamud deckt Swartz auf, dass PACER mit diesem Verfahren einen Gewinn von 120 Millionen Dollar pro Jahr einfährt, die Kosten für den Unterhalt der Plattform aber nicht annähernd so hoch sind. Dieses Gebaren ist illegal. Denn per Gesetz dürfen die Gerichte nur so viel für die Einsicht dieser Unterlagen berechnen, dass der Aufwand finanziell gedeckt ist. Geld verdienen dürfen sie damit also nicht.

Dadurch, dass er und Calamud diese illegale Bereicherung der Behörden öffentlich machen, willigen die Behörden ein, den kostenlosen Zugang zu PACER in 17 Bibliotheken des Landes zu gewährleisten. Ein Witz für Swartz. Dem Aktivisten gehen die Konsequenzen nicht weit genug.

Zusammen mit Calamud lädt er etwa 20 Millionen Seiten via PACER über einen der 17 freien Zugänge herunter und veröffentlicht sie umgehend.

Seine Vision: Wenn schon die großen Plattformen nicht mitziehen wollen, will er selbst ein Forschungsarchiv anlegen, das das gesamte Wissen ballt und es der Allgemeinheit zugänglich machen.

Schon im Laufe seines Studiums ist ihm aufgefallen, dass auch Forschungsergebnisse von Wissenschaftlern an Universitäten unter Verschluss gehalten werden. Ergebnisse von Studien, Dissertationen – alles ist nur über kostenpflichtige Portale wie beispielsweise JStor zugänglich. Auch hier kommt man ohne Kreditkarte nicht an die Informationen.

Swartz findet das absurd. Immerhin wird die Forschung an Universitäten aus Steuermitteln finanziert, ihre Ergebnisse den Steuerzahlern allerdings nur gegen Geld zur Verfügung gestellt.

„Diese Gebühren sind so hoch, dass zum Beispiel Studenten in Indien keinen Zugang dazu haben. Sie werden aus unserem gesamten, wissenschaftlichen Vermächtnis ausgespart. Ein Großteil dieser Artikel geht zurück auf die Aufklärung. Jede dieser wissenschaftlichen Arbeiten wurde gescannt und digitalisiert und in diese Sammlungen aufgenommen. Dieses Vermächtnis wurde uns von den Wissenschaftlern überliefert, Menschen, die sich mit interessanten Dingen beschäftigt haben. Es sollte uns allen gehören, stattdessen wurde es weggeschlossen und von einer Handvoll profitorientierter Unternehmen ins Netz gestellt.“ (Aaron Swartz)

Seiner Meinung nach ist es Unrecht, dass Plattformen wie JStor das gesamte Wissen unter Verschluss halten, es so der Allgemeinheit vorenthalten und damit Gewinn machen wollen.

2010 hackt er sich aus diesem Grund in das MIT-Netzwerk ein, das ihm einen Zugriff auf die Dokumente in JStor ermöglicht. Mithilfe eines Codes lädt er so lange akademische Dokumente herunter, bis JStor dem MIT den Zugriff auf seine Datenbank sperrt.

Das Ende

Diese Aktion und das von ihm zwei Jahre zuvor veröffentlichte Guerilla Open Access Manifest, in dem er dazu aufruft, akademische Papiere auch ohne Rücksicht auf das Urheberrecht frei verfügbar zu machen, rufen schließlich das FBI auf den Plan. Obwohl weder das MIT noch JStor Anklage gegen ihn erheben wollen, wird Aaron Swartz strafrechtlich verfolgt und wegen des Herunterladens von 4,8 Millionen Dokumenten angeklagt. Im Fall einer Verurteilung drohen ihm bis zu 35 Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe in Millionenhöhe. Die Strafverfolgungsbehörden wollen ein Exempel an ihm statuieren, um aufkeimende Hacker-Kollektive abzuschrecken. Diese Hetzjagd setzt dem 26-Jährigen zu.

Obwohl sich Aaron Swartz vor dem Gefängnis fürchtet, lehnt er einen Deal der Staatsanwaltschaft, nachdem er sich schuldig bekennen soll, um so einer Freiheitsstrafe zu entgehen, ab. Er ist fest davon überzeugt, dass das Urheberrecht keinen Vorrang vor dem freien Zugang zu Wissen im Internet haben sollte.

Bevor der Prozess gegen ihn beginnt, begeht Aaron Swartz am 11. Januar 2013 in seinem Apartment in New York Selbstmord.

(mk)


0 Gedanken zu “Aaron Swartz – Der Sohn des Internets”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.